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Ratgeber

Der Schrei von Edvard Munch: Bedeutung, Versionen und Geschichte

5 Min. Lesezeit · 7. Oktober 2026

Ein blutroter Himmel, eine Gestalt, die sich die Ohren zuhält: Edvard Munchs Schrei ist zum Sinnbild der Angst geworden. Was Munch damit ausdrücken wollte, warum es vier Versionen gibt und wie das Bild zweimal gestohlen wurde.

Der Schrei von Edvard Munch, 1893

Kaum ein Bild ist so oft zitiert, parodiert und kopiert worden wie Der Schrei von Edvard Munch. Die Gestalt mit dem schädelartigen Kopf und den an die Wangen gepressten Händen kennt fast jeder – als Poster, als Maske, sogar als Emoji. Doch hinter dem Bild steckt eine sehr persönliche Erfahrung des norwegischen Malers. Und es gibt nicht nur einen Schrei, sondern gleich mehrere.

Der Schrei auf einen Blick

Originaltitel Skrik (ursprünglich auch „Geschrei“ bzw. „Der Schrei der Natur“)
Künstler Edvard Munch (1863–1944)
Bekannteste Fassung 1893, Tempera und Kreide auf Karton, 91 × 73,5 cm
Standort Nationalmuseum Oslo; weitere Fassungen im Munch-Museum Oslo und in Privatbesitz
Stil Symbolismus, Wegbereiter des Expressionismus
„Der Schrei“ von Edvard Munch. Expressionistisches Gemälde mit verzerrter Figur vor dramatischer Landschaft.

Als Kunstdruck

Der Schrei

Edvard Munch

Auf Leinwand oder als Poster, in Ihrer Wunschgröße – auf Wunsch mit Rahmen oder Passepartout. Handgefertigt in Deutschland.

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Was Munch erlebte: die Entstehungsgeschichte

Munch hat die Szene selbst beschrieben, in mehreren Fassungen eines kurzen Prosatextes: Er sei mit zwei Freunden einen Weg entlanggegangen, als die Sonne unterging. Plötzlich habe sich der Himmel blutrot gefärbt. Er sei stehen geblieben, müde, und habe sich an den Zaun gelehnt, während die Freunde weitergingen. Zitternd vor Angst habe er gespürt, wie ein großer, unendlicher Schrei durch die Natur ging.

Der Ort lässt sich recht genau bestimmen: Es ist der Weg am Ekeberg-Hügel oberhalb von Oslo, das damals noch Kristiania hieß. Von dort blickt man über den Oslofjord und die Stadt – genau diese Linien von Fjord, Ufer und Geländer sind im Bild zu sehen.

Was bedeutet der Schrei?

Ein häufiges Missverständnis: Die Gestalt im Vordergrund schreit nicht selbst. Sie hält sich die Ohren zu – vor dem Schrei, der durch die Natur geht. Munch malte also kein Ereignis, sondern ein Gefühl: die überwältigende Angst eines Menschen, der sich der Welt plötzlich schutzlos ausgeliefert fühlt.

Darum ist die Figur so stark vereinfacht. Sie hat kaum noch individuelle Züge, eher die Form eines Schädels oder einer Mumie. Landschaft und Himmel sind in wellenförmigen Linien aufgelöst, als würde der Schrei sie selbst in Schwingung versetzen. Nur das Geländer führt als harte Diagonale aus dem Bild – und die beiden Freunde am Ende des Weges wirken unberührt. Der Kontrast macht die Einsamkeit des Menschen im Vordergrund spürbar.

Munch sah den Schrei als Teil seines „Lebensfrieses“, einer Reihe von Bildern über Liebe, Angst und Tod, die er in den 1890er-Jahren entwickelte und unter anderem in Berlin ausstellte. Viele dieser Motive, etwa die Madonna, wurden genauso berühmt.

Warum ist der Himmel so rot?

Über den blutroten Himmel wird bis heute diskutiert. Eine Theorie verbindet ihn mit dem Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahr 1883: Die Aschewolke sorgte damals weltweit monatelang für ungewöhnlich farbige Sonnenuntergänge, auch in Norwegen. Eine andere Theorie verweist auf sogenannte Perlmutterwolken, die in Skandinavien gelegentlich in leuchtenden Farben erscheinen. Viele Kunsthistoriker halten beides für zweitrangig: Munch ging es nicht um ein Wetterphänomen, sondern darum, Angst sichtbar zu machen – und dafür ist ein Himmel in Rot und Orange das stärkste Mittel.

Die vier Versionen des Schreis

Munch hat das Motiv mehrfach umgesetzt. Neben einer Druckgrafik gibt es vier farbige Fassungen:

  • 1893, Tempera und Kreide auf Karton – die bekannteste Version, heute im Nationalmuseum in Oslo.
  • 1893, Kreide auf Karton – eine zeichnerische Fassung im Munch-Museum in Oslo.
  • 1895, Pastell auf Karton – die einzige Fassung in Privatbesitz. Sie wurde 2012 in New York für rund 120 Millionen US-Dollar versteigert.
  • 1910, Tempera auf Karton – ebenfalls im Munch-Museum in Oslo.

1895 schuf Munch außerdem eine Lithografie des Motivs. Durch die Drucke verbreitete sich der Schrei schon zu Munchs Lebzeiten weit über Norwegen hinaus.

Die rätselhafte Inschrift

Auf der Fassung von 1893 im Nationalmuseum steht in der oberen linken Ecke ein kleiner, kaum lesbarer Bleistiftsatz auf Norwegisch: Das Bild könne nur von einem Verrückten gemalt worden sein. Lange hielt man die Notiz für das Werk eines erbosten Besuchers. 2021 stellte das Nationalmuseum nach einer Handschriftenanalyse fest: Munch hat den Satz selbst geschrieben – vermutlich als Reaktion auf die harsche Kritik, die er nach einer Ausstellung erlebte.

Zweimal gestohlen

Der Schrei gehört zu den am häufigsten gestohlenen Kunstwerken. 1994, am Eröffnungstag der Olympischen Winterspiele von Lillehammer, stiegen Diebe mit einer Leiter in die Nationalgalerie in Oslo ein und entwendeten die Fassung von 1893. Nach wenigen Monaten tauchte das Bild wieder auf. 2004 raubten bewaffnete Männer am helllichten Tag eine Fassung des Schreis und die Madonna aus dem Munch-Museum. Beide Bilder wurden 2006 – beschädigt, aber restaurierbar – wiedergefunden.

Weitere Werke von Edvard Munch

Munch (1863–1944) war einer der wichtigsten Wegbereiter des Expressionismus. Seine Bilder kreisen um die großen Themen des Lebens: Liebe, Eifersucht, Einsamkeit, Krankheit und Tod. Neben dem Schrei zählen die Madonna und die Mädchen auf der Brücke, ein Motiv, das er in zahlreichen Varianten malte, zu seinen bekanntesten Werken.

Der Schrei als Kunstdruck

Der Schrei ist ein Hochformat (etwa 4 : 5) und braucht Raum: Als Kunstdruck ab etwa 50 × 62 cm entfaltet sich die Wirkung der großen geschwungenen Linien am besten. Das Motiv ist ein Statement – es passt in Arbeitszimmer, Flure oder moderne Wohnräume mit klaren Formen und ruhigen Farben, die dem leuchtenden Orange Raum lassen.

Den Schrei gibt es als Kunstdruck auf Leinwand oder Poster, auf Wunsch mit Rahmen oder Passepartout. Weitere Werke finden Sie bei Edvard Munch und im Expressionismus.

Häufige Fragen zum Schrei

Wo hängt Der Schrei von Munch?

Die bekannteste Fassung von 1893 hängt im Nationalmuseum in Oslo. Zwei weitere Fassungen besitzt das Munch-Museum in Oslo, eine Pastellfassung von 1895 ist in Privatbesitz.

Wie viele Versionen vom Schrei gibt es?

Es gibt vier farbige Fassungen (1893 zweimal, 1895 und 1910) sowie eine Lithografie von 1895, von der mehrere Abzüge existieren.

Was bedeutet Der Schrei?

Munch verarbeitete ein Erlebnis bei Sonnenuntergang, bei dem er einen „Schrei durch die Natur“ spürte. Das Bild zeigt nicht einen schreienden Menschen, sondern einen Menschen, der sich vor diesem Schrei die Ohren zuhält – ein Sinnbild für Angst und Verlorenheit.

Warum ist der Himmel auf dem Schrei rot?

Mögliche Erklärungen sind die farbigen Sonnenuntergänge nach dem Vulkanausbruch des Krakatau oder Perlmutterwolken. Vor allem aber nutzte Munch das Rot, um Angst und Aufruhr auszudrücken.

Wie viel ist Der Schrei wert?

Die Pastellfassung von 1895 wurde 2012 für rund 120 Millionen US-Dollar versteigert. Die Fassungen in den Osloer Museen sind unverkäuflich.

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