Um 1900 hatten viele Künstler genug von der Nachahmung alter Stile. Sie wollten eine neue, eigene Formensprache – inspiriert von der Natur, leicht, dekorativ und modern. So entstand der Jugendstil. Er prägte nicht nur Gemälde, sondern ebenso Architektur, Möbel, Plakate, Schmuck und Glas. Bis heute gehören Gustav Klimts goldene Bilder und Alfons Muchas Frauenfiguren zu den beliebtesten Motiven überhaupt.
Jugendstil auf einen Blick
| Zeitraum | etwa 1890 bis 1914 |
|---|---|
| Andere Namen | Art nouveau (Frankreich, Belgien), Secessionsstil (Österreich), Modern Style (England), Stile Liberty (Italien), Modernisme (Spanien) |
| Zentren | Wien, Paris, Brüssel, München, Darmstadt, Barcelona |
| Wichtige Künstler | Gustav Klimt, Alfons Mucha, Koloman Moser, Heinrich Vogeler, Aubrey Beardsley |
| Architektur | Victor Horta, Hector Guimard, Otto Wagner, Joseph Maria Olbrich, Antoni Gaudí |
Woher kommt der Name?
Der deutsche Name geht auf die Münchner Zeitschrift „Jugend“ zurück, die ab 1896 erschien und dem neuen Stil eine Bühne gab. In Frankreich und Belgien spricht man von Art nouveau – nach der Pariser Galerie „Maison de l’Art Nouveau“ des Kunsthändlers Siegfried Bing. In Wien heißt er nach der Künstlervereinigung, die 1897 gegründet wurde, Secessionsstil.
Die 7 wichtigsten Merkmale des Jugendstils
1. Geschwungene, fließende Linien
Das auffälligste Merkmal ist die schwingende Linie, die sich wie eine Pflanzenranke durch das Bild zieht. Typisch ist die sogenannte Peitschenhiebkurve.
2. Motive aus der Natur
Lilien, Seerosen, Mohn, Efeu, Schwäne, Pfauen und Libellen: Pflanzen und Tiere sind das große Vorbild – meist stilisiert und zu Ornamenten geformt.
3. Flächigkeit und Ornament
Statt räumlicher Tiefe gibt es dekorative Flächen und Muster. Hintergründe werden zu Teppichen aus Ornamenten.
4. Die schöne Frau
Elegante Frauenfiguren mit langem, wallendem Haar sind ein Leitmotiv – bei Mucha als anmutige Allegorien, bei Klimt als verführerische, selbstbewusste Gestalten.
5. Gold und kostbare Materialien
Besonders in Wien wurde mit Blattgold, Silber und schimmernden Farben gearbeitet. Klimts „goldene Periode“ ist der Höhepunkt.
6. Einfluss Japans
Japanische Farbholzschnitte mit ihren klaren Konturen, flächigen Farben und ungewöhnlichen Ausschnitten waren eine wichtige Inspiration.
7. Das Gesamtkunstwerk
Kunst sollte alle Lebensbereiche durchdringen. Architekten und Künstler gestalteten Häuser samt Möbeln, Lampen, Tapeten und Besteck aus einem Guss – etwa auf der Darmstädter Mathildenhöhe oder im Brüsseler Palais Stoclet.
Gustav Klimt und die Wiener Secession
Gustav Klimt war 1897 Gründungspräsident der Wiener Secession. Mit Werken wie Judith I (1901), dem Beethovenfries (1902) und vor allem dem Kuss (1908/09) wurde er zum bekanntesten Maler des Jugendstils. Typisch für ihn ist die Verbindung von realistisch gemalten Gesichtern und Händen mit flächigen, goldenen Ornamenten. Für das Palais Stoclet in Brüssel entwarf er den Mosaikfries mit dem berühmten Lebensbaum.


Der Kuss
Gustav Klimt
ab 18,10 €


Judith
Gustav Klimt
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Lebensbaum (Mittelteil)
Gustav Klimt
ab 22,94 €


Beethoven-Fries
Gustav Klimt
ab 24,98 €


Wasserschlangen II
Gustav Klimt
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Alfons Mucha: Der Stil von Paris
Der tschechische Künstler Alfons Mucha wurde in Paris mit einem Theaterplakat für die Schauspielerin Sarah Bernhardt über Nacht berühmt. Seine Frauenfiguren im Kreis von Blumen, Ornamenten und Heiligenschein-artigen Kreisen prägten das Bild des Art nouveau so sehr, dass man in Frankreich zeitweise vom „Style Mucha“ sprach. Berühmt sind seine Serien wie „Die Künste“ mit der Poesie oder „Die Tageszeiten“ mit der Abendträumerei.


Die Poesie
Alfons Mucha
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Abendträumerei
Alfons Mucha
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Pfingstrosen
Alfons Mucha
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Weitere Künstler des Jugendstils
- Koloman Moser (Wien): Maler und Designer, Mitbegründer der Wiener Werkstätte.
- Heinrich Vogeler (Worpswede): märchenhafte Bilder und Buchillustrationen.
- Aubrey Beardsley (England): elegante Schwarz-Weiß-Zeichnungen.
- Walter Crane (England): Illustrator und Wegbereiter aus der Arts-and-Crafts-Bewegung, bekannt etwa für „Die Pferde des Neptun“.
Jugendstil in der Architektur
Viele kennen den Jugendstil vor allem von Häusern: den Fassaden mit Blumenornamenten in Wien, Riga oder Leipzig, den geschwungenen Eingängen der Pariser Metro von Hector Guimard, den Häusern Victor Hortas in Brüssel oder dem goldenen „Krauthappel“ auf dem Wiener Secessionsgebäude von Joseph Maria Olbrich. In Spanien schuf Antoni Gaudí mit dem katalanischen Modernisme eine ganz eigene Variante.
Das Ende des Jugendstils
Schon um 1905 wandten sich viele Künstler wieder klareren, geometrischen Formen zu. Mit dem Ersten Weltkrieg endete die Epoche endgültig. Der Jugendstil wurde zum Wegbereiter des Art déco und der modernen Gestaltung – und erlebt seit Jahrzehnten immer wieder ein Comeback.
Jugendstil für Ihre Wand
Jugendstil-Motive wirken elegant und festlich. Klimts goldene Werke kommen mit schwarzen oder goldfarbenen Rahmen besonders edel zur Geltung, Muchas schlanke Hochformate passen perfekt in schmale Wandflächen, Flure und neben Fenster. Alle Werke finden Sie in der Kategorie Jugendstil sowie bei Gustav Klimt und Alfons Mucha. Als fertige Kombination empfehlen wir die Bilderwand Klimt in Gold.
Häufige Fragen zum Jugendstil
Was sind die Merkmale des Jugendstils?
Geschwungene, fließende Linien, Motive aus der Natur wie Blumen und Ranken, flächige Ornamente, elegante Frauenfiguren, Gold und kostbare Materialien sowie der Anspruch, alle Lebensbereiche zu gestalten.
Wann war der Jugendstil?
Etwa von 1890 bis zum Ersten Weltkrieg 1914, mit der Blütezeit um 1900.
Warum heißt der Jugendstil Jugendstil?
Nach der Münchner Kunstzeitschrift „Jugend“, die ab 1896 erschien und den neuen Stil bekannt machte.
Welche Künstler gehören zum Jugendstil?
Gustav Klimt, Alfons Mucha, Koloman Moser, Heinrich Vogeler und Aubrey Beardsley, in der Architektur unter anderem Victor Horta, Hector Guimard, Otto Wagner und Antoni Gaudí.
Was ist der Unterschied zwischen Jugendstil und Art déco?
Der Jugendstil (um 1900) ist organisch und geschwungen, inspiriert von Pflanzen. Der Art déco (1920er- und 1930er-Jahre) ist geometrisch, kantig und von Technik und Großstadt geprägt.









