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Ratgeber

Das Mädchen mit dem Perlenohrring: Das Geheimnis hinter Vermeers Blick

5 Min. Lesezeit · 7. Oktober 2026

Ein Blick über die Schulter, ein leuchtend blauer Turban, eine Perle, die im Licht schimmert: Johannes Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring gilt als „Mona Lisa des Nordens“. Wer war das Mädchen – und ist die Perle überhaupt echt?

Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Johannes Vermeer, um 1665

Sie dreht sich zu uns um, die Lippen leicht geöffnet, als wolle sie gleich etwas sagen. Das Mädchen mit dem Perlenohrring von Johannes Vermeer gehört zu den bekanntesten Gemälden der Welt – und zu den rätselhaftesten. Niemand weiß, wer das Mädchen war. Und selbst die berühmte Perle ist vielleicht gar keine.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring auf einen Blick

Originaltitel Meisje met de parel
Künstler Johannes Vermeer (1632–1675)
Entstehung um 1665, Delft
Technik Öl auf Leinwand
Originalgröße 44,5 × 39 cm
Standort Mauritshuis, Den Haag
Epoche Niederländisches Goldenes Zeitalter (Barock)
Kunstdruck: Mädchen mit dem Perlenohrring | Johannes Vermeer. Dame mit Turban in gelb und blau und einem Perlenohrring.

Als Kunstdruck

Mädchen mit dem Perlenohrring

Johannes Vermeer

Auf Leinwand oder als Poster, in Ihrer Wunschgröße – auf Wunsch mit Rahmen oder Passepartout. Handgefertigt in Deutschland.

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Kein Porträt, sondern eine „Tronie“

Wer das Bild zum ersten Mal sieht, hält es für ein Porträt. Doch das Mädchen mit dem Perlenohrring ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Auftragsbildnis einer bestimmten Person, sondern eine sogenannte Tronie. So nannte man im 17. Jahrhundert in den Niederlanden Studien eines Gesichts oder eines Charaktertyps – oft mit fantasievoller Kleidung, einem besonderen Gesichtsausdruck oder exotischem Kopfschmuck. Tronies wurden auf dem freien Kunstmarkt verkauft, nicht im Auftrag gemalt.

Genau das erklärt den Turban: Er war im Holland des 17. Jahrhunderts keine Alltagsmode, sondern ein Zeichen des Fremden und Kostbaren. Vermeer kombinierte ein leuchtend ultramarinblaues Tuch mit einer gelben Stoffbahn, die über den Rücken fällt – die gleichen beiden Farben, die auch in vielen seiner anderen Bilder dominieren.

Wer war das Mädchen?

Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Über Vermeers Leben gibt es nur wenige Dokumente, und keines nennt ein Modell für dieses Bild. Vermutet wurde unter anderem, dass seine älteste Tochter Maria Modell saß – belegen lässt sich das nicht.

Die Leerstelle hat die Fantasie beflügelt: Die Schriftstellerin Tracy Chevalier erfand 1999 in ihrem Roman Das Mädchen mit dem Perlenohrring die Geschichte einer jungen Magd im Haushalt Vermeers. 2003 wurde der Roman mit Scarlett Johansson und Colin Firth verfilmt. Seitdem stellen sich viele Menschen das Mädchen als Dienstmädchen vor – eine schöne Erzählung, aber reine Fiktion.

Ist die Perle echt?

Die Perle ist das zweite große Rätsel. Sie ist auffallend groß – eine echte Perle dieser Größe wäre im 17. Jahrhundert ein Vermögen wert gewesen. Kunsthistoriker halten es deshalb für wahrscheinlich, dass Vermeer einen Ohrring aus Glas oder poliertem Zinn malte oder die Perle schlicht erfand.

Erstaunlich ist, wie sie gemalt ist: Bei genauem Hinsehen besteht sie nur aus wenigen Pinselstrichen – einem hellen Lichtpunkt oben und einer zarten Spiegelung des weißen Kragens unten. Einen Bügel oder Haken, an dem sie am Ohr hängt, gibt es nicht. Unser Auge setzt die Perle aus Licht und Schatten selbst zusammen. Ein internationales Forschungsprojekt des Mauritshuis hat das Bild 2018 mit modernsten Methoden untersucht und dabei bestätigt: Die Perle ist eine Illusion aus Farbe – und der heute dunkle Hintergrund war ursprünglich ein grüner Vorhang, dessen Farbe im Lauf der Jahrhunderte verblasst ist.

Licht, Farbe und Technik

Vermeer gilt als Meister des Lichts. Fast immer fällt es in seinen Bildern von links ein, weich und gleichmäßig. Beim Mädchen mit dem Perlenohrring trifft es das Gesicht, den Kragen und die Perle – alles andere versinkt im Dunkel. Diese starke Hell-Dunkel-Wirkung lässt das Mädchen fast plastisch vor dem Hintergrund stehen.

Für das Blau verwendete Vermeer Ultramarin, ein Pigment aus dem Halbedelstein Lapislazuli, das damals teurer war als Gold. Dass er es so großzügig einsetzte, ist für einen Maler mit bescheidenem Einkommen bemerkenswert. Lange wurde auch diskutiert, ob Vermeer mit einer Camera obscura arbeitete, einem frühen optischen Hilfsmittel. Hinweise darauf finden sich vor allem in den weichen Lichtpunkten seiner Bilder – bewiesen ist es nicht.

Für 2 Gulden versteigert: die Geschichte des Bildes

Nach Vermeers Tod geriet der Maler weitgehend in Vergessenheit. Das Mädchen mit dem Perlenohrring tauchte 1881 bei einer Versteigerung in Den Haag auf – in schlechtem Zustand. Der Sammler Arnoldus Andries des Tombe kaufte es für gerade einmal 2 Gulden und 30 Cent Aufgeld. Bei seinem Tod 1902 vermachte er das Bild dem Mauritshuis, wo es seitdem hängt.

Heute ist es das Wahrzeichen des Museums. Das Mauritshuis leiht es nur noch in seltenen Ausnahmen aus, zuletzt 2023 für die große Vermeer-Ausstellung im Rijksmuseum in Amsterdam. Wegen seiner Ausstrahlung und seines rätselhaften Blicks wird das Bild oft die „Mona Lisa des Nordens“ genannt.

Weitere Meisterwerke von Vermeer

Von Johannes Vermeer sind nur rund 35 Gemälde erhalten – ein kleines Werk, das heute in den großen Museen der Welt verstreut ist. Viele zeigen ruhige Szenen in Innenräumen, in denen Frauen lesen, schreiben, musizieren oder arbeiten. Besonders bekannt sind das Milchmädchen im Rijksmuseum, die Perlenwägerin in Washington und mit der Ansicht von Delft eine der berühmtesten Stadtansichten der Kunstgeschichte – sie hängt ebenfalls im Mauritshuis, nur wenige Schritte vom Mädchen mit dem Perlenohrring entfernt.

Das Mädchen mit dem Perlenohrring als Kunstdruck

Das Original ist mit 44,5 × 39 cm überraschend klein – viele Besucher im Mauritshuis sind davon überrascht. Als Kunstdruck darf das Bild gern etwas größer sein: Im Hochformat ab etwa 40 × 46 cm entfaltet der Blick des Mädchens seine volle Wirkung. Der dunkle Hintergrund macht das Motiv vielseitig – es passt in klassische Einrichtungen ebenso wie vor helle, moderne Wände.

Besonders edel wirkt das Bild als Kunstdruck mit Passepartout und schlichtem Rahmen – ganz im Stil eines Museumsdrucks. Auf Leinwand kommen die tiefen Schatten und das leuchtende Blau besonders gut zur Geltung. Alle weiteren Werke finden Sie bei Johannes Vermeer und unter den berühmten Gemälden.

Häufige Fragen zum Mädchen mit dem Perlenohrring

Wo hängt das Mädchen mit dem Perlenohrring?

Im Mauritshuis in Den Haag (Niederlande). Das Museum besitzt das Bild seit Anfang des 20. Jahrhunderts.

Wer hat das Mädchen mit dem Perlenohrring gemalt?

Der niederländische Maler Johannes Vermeer aus Delft, um das Jahr 1665.

Wer ist das Mädchen auf dem Bild?

Das ist unbekannt. Das Bild ist sehr wahrscheinlich kein Porträt, sondern eine Tronie – die Studie eines Gesichts mit fantasievoller Kleidung. Die Geschichte von der Magd aus dem Roman und dem Film ist erfunden.

Ist die Perle echt?

Vermutlich nicht. Eine echte Perle dieser Größe wäre damals extrem kostbar gewesen. Wahrscheinlich malte Vermeer einen Ohrring aus Glas oder Zinn – oder erfand die Perle. Gemalt ist sie mit nur wenigen Pinselstrichen.

Wie groß ist das Original?

Das Gemälde misst 44,5 × 39 cm und ist damit kleiner, als viele erwarten.

Warum heißt das Bild „Mona Lisa des Nordens“?

Wegen seiner enormen Bekanntheit und des rätselhaften, schwer zu deutenden Blicks des Mädchens – ähnlich wie beim Lächeln der Mona Lisa.

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